Freitag, 13. November 2015

Pinkeln verboten - Wieso Hunde nicht überall markieren sollten


Eigentlich das Normalste der Welt: Waldi patroulliert durch sein Revier und hinterlässt an strategisch günstigen Plätzen seine Duftmarke. Damit wird klargestellt, hier war ich - alles meins. Laut moderner Hundepsychologie gehört das Abschreiten und Markieren des Reviers zu einer art- und hundgerechten Haltung, ist somit also optimal als tägliche Beschäftigung geeignet. (Tolles Video übrigens unter: Riepes Hundetalk.)

Wo also liegt das Problem?


Fotolia.com #79872732 | Urheber: sararoom




Meist sind es ja die großen Hinterlassenschaften, die uns Hundebesitzern zum Verhängnis werden und über die zahllose Diskussionen geführt werden. Die wenigsten denken daran, das der Urin unserer Vierbeiner ebenso immensen Schaden anrichten, bzw. äußerst unangenehm werden kann. Denn nicht nur Waldi läuft im Normalfall den Weg, sondern auch Bello von nebenan und Willi von gegenüber, alle beanspruchen das gleiche Revier. Nach dem Motto: wer zuletzt lacht, lacht am längsten, wird über jede markierte Stelle fleißig wieder darüber gepinkelt. Und jetzt wird es ernst!

Einmal ist keinmal


Wer seinen Hund im Garten pinkeln lässt, weiß, das mehrmaliges Pinkeln an die selbe Stelle dazu führt, dass das Gras regelrecht verbrennt. Da wächst so bald dann auch kein neues mehr. Im eigenen Garten ist das ja auch legitim und jedem selbst überlassen, aber was ist mit Gartenhecken oder Bäumen, die auf gut frequentierten Gassistrecken liegen? Wenn ich aufmerksam durch unseren Ort laufe, kann ich so einige übelst zugerichtete Heckenbäumchen sehen, die einst mit viel Liebe durch die Gartenbesitzer angesiedelt wurden, um den Gartenbereich abzugrenzen. Die vormals schöne Begrünung leidet eindeutig durch zu viel Hundepisse, und mancher Gartenbesitzer muss tatenlos zusehen, wie seine teure Thujahecke untenrum immer brauner und hässlicher wird, wenn es ganz dumm läuft, sogar abstirbt. Von der Geruchsbelästigung mal ganz zu schweigen.

leicht beeinträchtige Thujahecke
 (Fotolia.com #78689914 | Urheber: Viesturs Kalvans)

Hundeurin verursacht Baumsterben in Berlin


Wer jetzt denkt, ok, aber große Bäume halten das doch aus, liegt leider falsch. Laut der Berliner Zeitung mussten 2011 20% der gefällten Bäume aufgrund des Hundeurins entfernt werden. Durch diesen würden der Stamm verätzt und der Baum somit anfälliger auf Pilzinfektionen. Die Bäume verlieren an Stabilität und müssen aus Sicherheitsgründen entfernt werden. Jede Fällung eines Baumes kostet zwischen 200 - 2000 Euro, eine Neuanpflanzung beläuft sich auf 1000 Euro. Geld, das sicher anderswo dringend gebraucht wird.

Zwanghaftes Markieren bedeutet Streß


Lässt man seinen Hund, meistens sind es die männlichen Vertreter, immer und überall markieren, kann es zu nicht unerheblichen Stress beim Hund führen. Er fühlt sich ständig unter Druck gesetzt, alle seine Duftmarken wieder aufzufrischen und kommt so in einen zwanghaften Teufelskreis, der ihn einen Spaziergang gar nicht mehr genießen lässt. Schön erklärt finde ich das Thema in folgendem Bericht: Das Zwangsmarkieren.

Pinkeln ist nicht verboten - aber muss es überall sein?


Markieren
Fotolia.com #95232700 | Urheber: Bill Anastasiou

Der Punkt ist: niemand kann dem Hund das Pinkeln per Gesetz verbieten, aber: sollten wir Hundebesitzer nicht so aufmerksam und fair sein und den eigenen Hund davon abhalten, an fremde Gartenhecken zu pinkeln? Wenn es Waldi nicht macht, findet Bello die Wiese gegenüber auch viel interessanter und Willi dann sowieso. Gartenhecken bleiben schön grün und die gute Nachbarschaft vielleicht auch erhalten. Ich sehe ein, dass es Leute in der Stadt eindeutig schwerer haben wie wir auf dem Land (man sieht jedoch, dass es auch dort nicht wirklich funktioniert!), aber auch dort muss es möglich sein, dass der Hund nicht alle 5 Meter an fremdes Eigentum pinkelt. Hauswände, Statuen, Mülleimer, Autos und sonstiges muss nicht markiert werden, es sei denn, es wären die eigenen...

Ich persönlich finde die extreme Pinkelei der Rüden immer recht ätzend und würde es, wenn ich keine Hündin hätte, versuchen zu unterbinden. Solche Pinkelorgien tragen nicht dazu bei, das angeknackste Image der Hundebesitzer wieder in ein besseres Licht zu rücken. Wenn auffallen, dann doch bitter lieber positiv...

Pinkelstellen bei uns im Garten. Nicht schön, aber in einem Bereich, wo es uns nicht stört:


Foto: Susanne Edele

Stark frequentierte relativ junge Thujahecke: 

Fotos: Susanne Edele (mit freundlicher Genehmigung des Eigentümers)





Mal ganz ehrlich, wenn mir diese Hecke gehören würde, wäre ich zurecht stinksauer! Es betrifft nicht nur eine einzelne Pflanze, sondern wirklich alle Bäumchen dieses Segments sind angegriffen. Es gibt noch zwei weitere Segmente, die nicht so stark, aber eben auch schon betroffen sind. Hier sollten die Hundehalter jetzt echt mal vernünftig sein...



Kommentare:

  1. Danke für die sachliche Darstellung.
    Unser Nachbar hat eine Naturholzwand zur Straße hin.
    Man sieht alle halbe Stunde wie ein Hund dort markiert. Die ganzen Bohlen sind bereits kaputt.
    Wir haben den Vorteil, dass wir keinen Gehweg auf unserer Seite habe ;-)

    Wenn man dann in anderen Foren schaut sind doch recht viele Hundebesitzer zum einen der Meinung, dass sie Hundesteuer bezahlen und zum anderen, dass das ja nicht so schlimm wäre.

    Oder sie verweisen auf andere Tiere wie Katzen.
    Der große Unterschied dabei ist aber, dass am Ende der Leine ein denkender Mensch steht. Pinkelt der Hund also an den Zaun, dann ist es der Mensch der das zuläßt. Anders als bei allen anderen freilaufenden Tieren.

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  3. Es tut wahnsinnig gut so einen Bericht zu lesen und das noch dazu von einer Hundebesitzerin. Weil die wie du ja schreibst, meist ignorant sind. Wir haben das gleiche Problem mit unserer Thuja. Wenn wir im Garten sind, sehe ich wie die Hunde ansetzen zum Pinkeln und dann aber doch weitergezogen werden. Wenn von uns niemand präsent ist, weiß ich ja was passiert. Eine Diskussion anzufangen spare ich mir, weil die Besitzer ja selbst gut sehen können, was Bello und seine Freunde da kaputt machen. Eigentlich sollte ich bei denen auch jeden Abend in den Garten pinkeln xD Aber ich bin ja kein Hund, außer der Psychologe bescheinigt mir das, *Wuff xD

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