Donnerstag, 1. September 2016

Sterben die Spatzen bald aus?

Zwar liegt der Spatz, auch Sperling genannt, bei den Zählungen der "Stunde der Gartenvögel", noch an erster Stelle, dennoch hat sich sein Bestand seit 1970 ca. halbiert. Aus diesem Grund wurde dieser freche Allerweltsvogel schon vor einigen Jahren in die Vorwarnliste der Roten Liste aufgenommen. Denn eines ist sicher, wird ihnen nicht geholfen, stehen vielleicht auch sie eines Tages in Kategorie 1, vom Aussterben bedrohte Tiere, auf der Roten Liste.

Spatz im Garten (Quelle: Pixabay.com)

Haus- und Feldsperling



In Deutschlands Gärten findet man vor allem die verwandten Arten Haussperling und Feldsperling vor.

männlicher Hausspatz Quelle: Pixabay.com
Der Haussperling hat sich schon vor 10.000 Jahren dem Menschen als Kulturfolger angepasst und ist immer da zu finden, wo es Menschen gibt. Es ist die am weitverbreiteste Vogelart. Man schätzt den Bestand auf weltweit 500 Mio. Nicht zu finden ist er nur in den Polargebieten, Australien, in Teilen Asiens, im Regenwald und in der Wüste. Er bevorzugt seine Brutplätze hausnah, also in Mauerlöchern, Dachvorsprüngen, Nischen usw. Der Haussperling ist dabei sehr anpassungsfähig, und nutzt alles, was er finden kann. Da ist sein Vetter, der Feldsperling, etwas im Nachteil. Er liebt die Nähe zum Menschen nicht so, und bleibt deshalb eher an Waldrändern und Randbezirken von Siedlungen. Er brütet bevorzugt in Baumhölen.


Feldsperling Quelle: Pixabay.com
 Der Hausspatz ist ein bis 16 cm langer, gedrungener, kräftiger Singvogel. Er ist etwas größer und schwerer (30g) als der Feldsperling, welcher nur 14 cm und 24 g erreicht. Am besten unterscheidet man die beiden Arten jedoch am Gefieder. Der Haussperling besitzt einen grauen Scheitel, während der Feldsperling einen durchgehend braunen Kopf hat. Während beim Feldsperling Weibchen und Männchen gleich aussehen, kann man beim Haussperling männlich und weiblich gut unterscheiden. Die Weibchen sind etwas unscheinbarer, die Männchen besitzen eine dunkle Kehle und einen schwarzen Brustlatz.
  
Beide Arten sind sehr soziale und gesellige Tiere. Sie leben, fressen und brüten in Gruppen. Verlieren Jungvögel ihre Eltern, kann es sogar vorkommen, dass sie von anderen Eltern miternährt werden.

Warum sind Spatzen gefährdet?


Der Spatz ernährt sich vor allem von Sämereien und Getreide, wie Weizen, Hafer und Gerste. Auch Brotkrumen, Knospen, Sonnenblumenkerne und Früchte verschmäht er nicht. Fand er früher z..B.  bei Freilandhühnern oder Kaninchen immer etwas zu fressen, fehlen heute einfach viele ländliche Kleintierhaltungen. Heute leben Hühner in Legebatterien und Hasen fristen ein einsames Dasein in Drahtkäfigen. Bei uns ist z.B. im Hasen-Offenstallgehege immer mächtig was los, wenn sich eine Truppe Spatzen um die Körner der Hasen streitet. Auch werden die Erntemaschinen immer effizienter, und so verbleiben immer weniger Körner auf den Feldern zurück, die den Spatzen als Nahrung dienen.
Im Frühjahr und Sommer braucht der Spatz vor allem Insekten, um seine Brut erfolgreich aufzuziehen. Und auch hier liegt ein Problem. Bei der momentanen Mückenplage mag es einem nicht so vorkommen, aber der Bestand und die Artenvielfalt der Insekten geht ständig zurück. Felder und auch Parkanlagen werden mit Pestiziden besprüht. Im heimischen Garten werden Blattläuse und co. radikal ausgemerzt, bzw. finden sich immer mehr artenarme Gärten, um auch Insekten einen Lebensraum zu schaffen. Schaut man sich die Autofronten an, findet man beiweitem nicht mehr so viele tote Insekten, wie es früher einmal waren. Ein Zeichen dafür, dass alle Vergiftungsmaßnahmen fruchten.
Ein weiteres Problem sind die immer weniger werdenden Nistmöglichkeiten vor allem in der Stadt. Zwar ist der Hausspatz ja sehr erfindungsreich, dennoch werden aufgrund Sanierungsmaßnahmen immer mehr Nischen geschlossen und die Tierchen finden einfach nicht genug Ersatz. Eine Ausnahme bildet wohl Berlin: Hier liegt man mit den Sanierungsmaßnahmen von Gebäuden noch ziemlich hintendran, so dass die Spatzen noch genügend von den Dächern pfeifen können.

Wie kann den Spatzen geholfen werden?


Um auf die Probleme der Spatzen aufmerksam zu machen und aufzuzeigen, wie jeder einzelne den kleinen Vögeln hilfreich unter die Arme zu greifen, hat die Deutsche Wildtier Stiftung eine Seite mit vielen Informationen geschaffen. Zusammengefasst kann man folgendes Unternehmen:

* jeder mit Garten kann diesen mit heimischen Pflanzen naturnah gestalten
* Sandbäder und Vogeltränken anbieten
*Nistplätze schaffen oder erhalten, z.B. bewusst Nischen bei Sanierungsarbeiten beibehalten oder    Spatzenhäuser aufhängen (sog. Spatzenreihenhäuser können entweder gekauft (z.B. bei der Spatzenhilfe) oder selbst hergestellt werden)
*artgerecht zufüttern (5-Punkte Check für die Vogelfütterung beachten)

Um schon die kleinsten an die Spatzen heranzuführen, wurde von der Deutschen Wildtierstiftung das Projekt " Rettet den Spatz" geschaffen. Hier steht die Janosch Spatzenkiste für Kindergarten und Schulkinder zur Verfügung. Diese kann für 6 Wochen ausgeliehen werden und enthält Ideen für Unterrichtsaktionen, Spiele und Kopiervorlagen rund um Spatz & Co. (Kosten 25 Euro + 15 Euro Rückversand)

Auf dass der Spatz nie mehr auf der roten Liste erscheint!
Übrigens, der Spatz ist ein sog. Wintervogel. Er bleibt also das ganze Jahr standorttreu. Welche Vögel noch bei uns überwintern, finden sie in folgendem Artikel:

Kleine Vogelkunde - heimische Wintervögel erkennen


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